Text: Hans-Christian Heintschel
Neben seinen teils auch akustisch abrufbaren Werken und dem Vorstellen seiner Familie präsentiert sich dem Besucher auch das weitere Umfeld Mozarts, also seine Freunde, wie auch seine Feinde im Wien des Spätbarocks. Der Ort selbst, die Domgasse 5, ist dafür ein idealer Ort: Verlebte doch hier Mozart, zusammen mit seiner Constanze, die wohl glücklichsten und künstlerisch intensivsten Jahre seines Lebens, wo auch „Die Hochzeit des Figaro“ entstand. Im Mittelpunkt der Erlebniswelt steht natürlich der Maestro selbst, in all` seinen schillernden Facetten, sowie die Räume im ersten Stock, die er mit seiner Familie rund drei Jahre lang bewohnte.
Nicht minder interessant stellt sich die Mozart-Ausstellung „Mozart - Experiment Aufklärung“ in der Albertina dar. Leben und Werk, vor allem aber Mozarts Ideen und bleibende Einflüsse, deren Echo bis heute noch zu verspüren sind, bilden die zentralen Momente dieser außergewöhnlichen Schau, die von 17. März bis 20. September zu sehen ist. Wertvolle Kunst und spannende virtuelle Installationen laden ein, nicht nur Mozarts Leben vom sechsjährigen Wunderkind zum Freimaurer kennen zu lernen, auch die vielen Klischees über Österreichs wichtigstes „Kulturprodukt“ sind Inhalt der Schau. Weitere Themenstränge beleuchten das geistige und ideengeschichtliche Panorama des unkonventionellen Freigeistes. Übrigens: Haben Sie gewusst, dass die Graphische Sammlung der Albertina nicht nur zur Zeit Mozarts entstand, sondern auch, dass Ludwig Ritter von Köchel, der legendäre Ersteller des Werkverzeichnis Mozarts, hier unterrichtet hat?
Das Theater an der Wien ist ein weiterer Ort, den Sie nicht übergehen dürfen. Das bisherige Musicaltheater wird 2006 zum Mozart-Opernhaus. Insgesamt erwarten die Mozart-Fans über das gesamte Jahr über 80 Vorstellungen mit Dirgenten-Stars, wie etwa Seiji Ozawa, Nikolaus Harnoncourt oder Sir Simon Rattle, der etwa im Dezember gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern Mozarts drei letzten Sinfonien spielen wird. Einer unter vielen Höhepunkten: Angelika Kirchschlager und Neil Shicoff singen in „Idomeneo“, einer Koproduktion mit der Wiener Staatsoper.
Musikalisch Reizvolles wird auch die 1898 gegründete Volksoper am Währinger Gürtel bieten. Neben „La Clemenza di Tito“ auf Italienisch bietet das Team um Volksopern-Direktor Rudolf Berger im Mozart-Jahr weitere drei Opern in deutscher Sprache an: „Die Zauberflöte“, „Die Hochzeit des Figaro“ und „Così fan tutte“. Das 1.400 Plätze umfassende Haus hat sich bereits in der Vergangenheit einen guten Namen um Mozart gemacht.
Auch die Wiener Staatsoper wird Mozarts größte Opern aufführen: Neben der „Zauberflöte“, „Don Giovanni“, „Le Nozze di Figaro“ und “Così fan tutte” wird die Staatsopern-Produktion „Die Entführung aus dem Serail” im Burgtheater für entsprechend großes Interesse sorgen. Einen weiteren Programmhöhepunkt wird es dann auch an Mozarts Todestag, am 5. Dezember, geben, wenn der derzeitige Generalmusikdirektor der Münchener Philharmoniker, Christian Thielemann, Mozarts letztes Werk, das unvollendet gebliebene Requiem aufführen wird.
„Keine Tiefkühlkost“, sondern ein akustischer wie auch intellektuell fordernder Ohrenschmaus vom Feinsten verspricht das Mozart-Festival „New Crowned Hope“ mit US-Regie-Star Peter Sellars von gegen Ende des Jahres 2006 zu werden. „Zur neu gekrönten Hoffnung“ - so hieß die Freimaurerloge, die Mozart 1791 in den letzten Wochen seines Lebens mit begründet hat - wird ein Festival sein, in dessen Programm Künstler verschiedenster Sparten der Frage: „Wie würde Mozart heute komponieren?“ nachgehen. Die Antwort darauf gibt ein bunter Reigen von Uraufführungen: Musiktheater und Tanz, Konzerte und Filme, Ausstellungs-, Architektur- und Sozialprojekte von Künstlern aus aller Welt, darunter der amerikanische Komponist John Adams, Lemi Ponifasio aus Samoa und die in Paris lebende finnische Komponistin Kaija Saariaho. Die von Sellars zentral gesetzten Themen der Opern „Die Zauberflöte“, „La Clemenza di Tito“ und des Requiems bilden Ausgangspunkte der neuen Produktionen, die selbst allerdings keine Note von Mozart beinhalten. Darüber hinaus stehen möglichst viele Dialog-Möglichkeiten mit der Wiener Bevölkerung im Mittelpunkt des aufregenden Kultur-Events, das in seiner ambitionierten Programmierung weit über das Zentrum Wiens hinaus reichen wird.
Mozarts Werk unter freiem Himmel an einem lauen Sommerabend zu begegnen: Diese Möglichkeit bietet im Juli und August wieder das gratis zu besuchende Musikfilm-Festival auf dem Rathausplatz, das sich schwerpunktmäßig ebenfalls Mozart widmet. Diverse Mozart-Opern, aber auch Konzertaufführungen aus den besten Häusern der Welt sorgen - unterstützt von perfekter visueller, wie auch akustischer Wiedergabetechnik - für ein stimmungsvolles Ambiente, wo sich sowohl Gäste, wie auch Herr und Frau Wiener so richtig wohlfühlen. Lukullische Genüsse aus aller Welt runden das Angebot ab.
Der Rathausplatz ist am 12. Mai auch wieder traditionsreicher Ort der Eröffnung der Wiener Festwochen, die ebenfalls Mozarts Werke als Programmschwerpunkt haben. So wird etwa Daniel Harding, der bei Sir Simon Rattle und Claudio Abbado in die „Schule“ gegangen ist und heute zu den viel versprechendsten Dirigenten seiner Generation zählt, „Die Zauberflöte“ und „Così fan tutte“ - letztere in der Regie von Patrice Chéreau - im Theater an der Wien dirigieren. Im Jugendstiltheater steht „Zaide“ (Das Serail) in der Inszenierung von Peter Sellars auf dem Programm. Die Wiener Festwochen zählen drüber hinaus zu den wichtigsten Theater-Festivals Europas. Neuinszenierungen, aber auch Premieren zeitgenössischer Stücke sorgen immer wieder für internationale Schlagzeilen.
Mozart, in Form seiner Klavierkonzerte, stehen im Mittelpunkt der Festwochen Konzerte, die zu den Höhepunkten im Wiener Konzertjahr zählen. Für die Aufführungen konnte ebenfalls ein ehemaliges „Wunderkind“ des klassischen Musikgeschehens gefunden werden: Rudolf Buchbinder wird mit den Wiener Philharmonikern im Goldenen Saal des Musikvereins an vier Abenden zwölf von Mozarts Klavierkonzerten spielen.
Infos zu den Mozart-Events
(Überblick sowie detaillierte Veranstaltungsdatenbank unter: www.wien.info; www.mozart2006.net)
Mozarthaus Vienna
1., Domgasse 5, www.mozarthausvienna.at
Tel.: +43-1-5 12 1791
Neueröffnung beim dreitägigen „Fest für Mozart“ 27. 29.1.2006
Ab 30.1.2006 tägl. 10 20 Uhr geöffnet
Ausstellung „Mozart - Experiment Aufklärung“ in der Albertina
1., Augustinerstrasse 1
17.3. bis 20.9.2006, www.albertina.at
Tel.: +43-1-534 83-0
Festival „New Crowned Hope“
14. November bis 13. Dezember 2006
www.newcrownedhope.org, www.festwochen.at
Theater an der Wien
6., Linke Wienzeile 6, www.theater-wien.at
Idomeneno (27., 31. Jänner; 4., 8., 12., 16. Februar; 17., 21., 25., 29. Juni 2006)
Lucio Silla (4., 6., 8., 10., 13. März 2006)
Die Schuldigkeit des ersten Gebots (12., 13., 14. April 2006)
Die Zauberflöte (13., 15., 17., 19., 21. Mai; 11., 13., 17., 20., 22., 24. Oktober 2006)
Così fan tutte (3., 5., 7., 9., 11. Juni; 21., 23., 25., 27., 30. November 2006)
Don Giovanni (20., 23., 26., 29. Juli; 2., 6., 9., 13., 16., 18. August 2006)
Flammen (7., 10., 14., 17. August 2006)
Mozarts letzte drei Sinfonien (5., 6. Dezember 2006)
Tickets.: +43-1-58885
Wiener Festwochen
12. Mai bis 18. Juni 2006, www.festwochen.at
Eröffnungsfest: 12. Mai 2006 (Rathausplatz)
Die Zauberflöte (13., 15., 17., 19., 21. Mai 2006)
Zaide (Das Serail) (21, 23, 25, 27. Mai 2006)
Così fan tutte (3., 5., 7., 9., 11. Juni 2006)
Tickets: +43-1-589 22-0
Festwochen Konzerte
7. Mai bis 18. Juni 2006, www.musikverein.at
Musikverein
1., Bösendorfer Strasse 12
Tickets: +43-1-505 86 81
Wiener Staatsoper
1., Opernring 2, www.wiener-staatsoper.at
Così fan tutte (10., 12., 14., 16. Jänner 2006)
Don Giovanni (18., 20., 22. Jänner; 25., 28., 31. März 2006)
Die Zauberflöte (21., 24., 27. Jänner; 12., 16. Juni 2006)
Le Nozze di Figaro (23., 26., 28. Jänner 2006)
Requiem (5. Dezember 2006)
Tickets: +43-1-514 44-22 50
Volksoper Wien
9., Währinger Strasse 78, www.volksoper.at
Die Zauberflöte: 3. I 7. I 13. l 18. l 26. Jänner und 3. l 11. l 20. I 22. Februar und 5. I 6. l 26. l 31. März und 4. l 15. April 2006
Die Hochzeit des Figaro: 8. l 11. I 15. l 20. l 27. I 30. Jänner und 29. September und 5. I 12. I 15. I 17. Oktober und 11. I 19. November und 5. I 26. Dezember 2006
La Clemenza di Tito: 24. l 26. April und 3. l 14. Mai 2006
Don Giovanni: 17. l 20. September und 26. Oktober und 1. l 4. November und 3. I 22. Dezember 2006
Konzerte des Timna Brauer & Elias Meiri Ensembles am 29. Jänner 2006:
Der Kleine Mozart (15.00 Uhr)
Mozart anders (19.00 Uhr)
Mozart und Salieri: 13. | 18. | 24. März 2006
Mozart-Soiree: 27. September 2006
Nicht nur Mozart (Ballett): 16. | 28. März und 20. | 28. April und16. | 26. Mai und 1. | 11. | 22. Juni 2006
Tickets.: +43-1-514 44-3670
Mozart-Filme open-air auf dem Rathausplatz
1. Juli bis 3. September 2006, www.wien-event.at
Tel.: +43-1-4000-8100
Weitere Informationen: Wiener Mozartjahr www.wienmozart2006.at